Mehr Kranke durch Zeckenstiche

2013 war ein Zeckenjahr. Das legen die Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) für die Zecken- Krankheiten Lyme-Borreliose und FSME nahe. 420 Fälle der mitunter lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung FSME wurden im letzten Jahr erfasst.

Foto: Pfizer

Ein hoher Stand im Langjahresvergleich und mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Da waren es 195. Ähnliches zeichnet sich bei der häufigsten von Zecken übertragenen Krankheit ab – der bakteriellen Lyme-Borreliose. Für diese gibt es allerdings keine bundesweite Meldepflicht. In den Bundesländern mit Meldepflicht stieg die Zahl der Betroffenen auf das Anderthalbfache gegenüber 2012.

„Die Zeckenaktivität war 2013 deutlich höher. Das allein reicht aber nicht aus, damit sich mehr Menschen infizieren“, sagt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Mit entscheidend sind das Wetter an freien Tagen und das menschliche Verhalten. Denn: Nur wer sich im Freien bewegt, kann mit Zecken in Berührung kommen. Dr. Wolfgang Hautmann vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erläutert daher: „Wir beobachten von Jahr zu Jahr immer Schwankungen. Eine klare Ursache lässt sich schwer benennen. Schützen sollte man sich in jedem Fall. Letztlich hängt es von jedem Einzelnen ab.“

Schwere Folgen durch FSME
FSME-Erkrankungen kommen in allen Altersgruppen vor. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Grippe, kennzeichnen das erste Stadium. Bei einem Teil der Infizierten befallen die FSME-Viren das zentrale Nervensystem. Die Symptome reichen dann von einer leichten Hirnhautentzündung mit Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit bis hin zu schwerwiegenden Formen einer Gehirn- oder Rückenmarksentzündung mit Funktionsausfällen und Lähmungen. Bei schwerem Verlauf drohen dauerhafte Schäden. In einigen Fällen endet die Krankheit tödlich. „Grundsätzlich sehen wir zwar, dass Kinder seltener schwer erkranken als die 40- bis 50-jährigen“, meint Oehme. Doch stimme nicht – wie früher behauptet, dass eine FSME bei Kindern kein Problem sei. Lerndefizite, Konzentrationsstörungen und chronische Kopfschmerzen seien öfter die Folge.

„Etwa 80 Prozent der FSME-Patienten musste im vergangen Jahr wegen der Erkrankung stationär behandelt werden“, berichtet Hautmann. Und Oehme fügt an: „Die Betroffenen, die gemeldet werden, sind in der Regel schon schwer krank, haben mindestens eine Hirnhautentzündung oder starke Kopfschmerzen.“ Die Dunkelziffer nicht erfasster Infektionen sei bei der FSME jedoch recht hoch. Schließlich werde eine Labordiagnostik nicht in allen Fällen veranlasst.

Sicher schützen
Die meisten Fälle treten in den Risikogebieten in der Südhälfte Deutschlands auf. Besonders betroffen sind Baden-Württemberg, Bayern, das südliche Hessen und Thüringen. Allen Personen, die in FSME-Gebieten leben oder Urlaub machen und sich im Freien aufhalten, empfehlen die Experten die FSME-Impfung. „Man sollte darauf achten, dass der Impfschutz vollständig ist und zeitgerecht aufgefrischt wird“, so Hautmann. Studien zeigten, dass gerade die Auffrischimpfung nach 3-5 Jahren häufig vergessen werde. Da es keine Medikamente gegen das krank machende Virus gibt, sei die Impfung die einzige Möglichkeit die Krankheit effektiv zu vermeiden.

Und um sich vor der Lyme-Borreliose zu schützen, sollten Naturliebhaber möglichst geschlossene, helle Kleidung tragen und sich zeitnah nach Zecken absuchen. Frühzeitiges Entfernen der kleinen Blutsauger bewahrt meist vor einer Infektion. Aufgrund erster Erfahrungen mit der Borreliose-Meldepflicht, die im März 2013 in Bayern eingeführt wurde, stellt Hautmann fest: „Borreliose ist eine der häufigsten meldepflichtigen Erkrankungen. In fast allen Fällen werden Erkrankungen durch die typische Wanderröte auffällig.“ Komplikationen wie Neuroborreliose machten weniger als zwei Prozent aus. Und: Borreliose lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.