Bayern: Über 6000 Borreliose-Fälle in einem Jahr gemeldet

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. Die Erkrankung kann viele unterschiedliche Organsysteme - insbesondere Haut, Nervensystem und Gelenke - betreffen. Selten können auch Herz oder Auge betroffen sein. Seit dem 1. März 2013 sind die drei häufigsten Manifestationen der Lyme-Borreliose in Bayern meldepflichtig: Erythema migrans (früh-lokalisiert), akute Neuroborreliose (früh-disseminiert) und Lyme-Arthritis (späte Erkrankungsform).

Zecken können bei einem Stich gefährlich Krankheiten übertragen, allen voran Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). (Foto: André Hirtz / Pfizer)

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die übermittelten Lyme-Borreliose-Fälle vom 1. April 2013 bis 31. März 2014 ausgewertet. Der Einführungsmonat der Meldepflicht wurde als Anlaufphase betrachtet, da nur vereinzelt Meldungen eingingen. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 6.107 Fälle gemeldet. Dies entspricht einer Anzahl der Neuerkrankungen von 48,8 Fällen pro 100.000 Einwohner in Bayern.1

Vor allem in Landkreisen des Gebietes Bayerischer Wald und Teilen Oberfrankens gab es viele Neuerkrankungen von Borreliose. Die Region Bayerischer Wald, die das höchste Infektionsrisiko für Lyme-Borreliose aufweist, ist auch FSME-Risikogebiet.2

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Wie Borreliose kann FSME bei einem Zeckenstich übertragen werden. FSME ist nicht ursächlich behandelbar und kann schwere gesundheitliche Folgen haben.

FSME kann in zwei Phasen verlaufen. Die erste ähnelt einer leichten Sommergrippe mit erhöhter Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen. Für manche Betroffene ist die Krankheit danach überstanden. Bei einem Teil der Patienten schließt sich eine zweite, gefährliche Krankheitsphase an. Hierbei kann es zur Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung kommen.3,4

Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen FSME einen vorbeugenden Impfschutz. Für einen mehrjährigen Impfschutz vor FSME sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von 1 bis 3 Monaten, die dritte - je nach Impfstoff - nach 5, oder 9 bis 12 Monaten. Danach ist eine erste Auffrischung nach 3 Jahren, anschließend je nach Alter und Impfstoff alle 3 bis 5 Jahre nötig.3 Doch auch kurzfristig kann noch ein Impfschutz gegen FSME aufgebaut werden – hier kann der Arzt beraten. Die FSME-Impfung ist in der Regel gut verträglich.

Die Gefahr, an FSME zu erkranken, besteht in Nord-, Mittel- und Osteuropa. In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, und seit 2014 auch in Sachsen.5

 

Quellen:

1)    Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin: Meldepflicht für Lyme-Borreliose in Bayern – eine erste Bilanz, 23. Februar 2015 / Nr. 8.
2)    Robert Koch-Institut: Darstellung der Fünfjahresinzidenzen der Frühsommer-Meningoenzephalitis in Kreisen und Kreisregionen in Deutschland für die Jahre 2002 bis 2013. Anlage zum Epid Bull 2014;15,1 – 12.
3)    Leitlinie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), S1, Stand: September 2012, AWMF-Registernummer: 030/035.
4)    Kaiser R, Vollmer H, Schmidtke K et al. Verlauf und Prognose der FSME. Nervenarzt 1997; 68: 324–330.
5)    Epidemiologisches Bulletin: FSME: Risikogebiete in Deutschland, 26. Mai 2015 / Nr. 21, Robert Koch-Institut.