Vorsicht vor Zecken beim Sport im Freien

Jetzt im Sommer sind viele Sportler in der freien Natur unterwegs – in Parks, Wäldern, auf Wiesen und Äckern oder querfeldein. Doch dabei sind die Freiluft-Fans nicht allein. Im Unterholz, in Büschen und an Ästen lauern überall Zecken. Die achtbeinigen Spinnentiere haben zwar keine Augen, doch erkennen sie Menschen unter anderem an Geruchsstoffen aus dem Schweiß – und davon gibt es beim Sport reichlich. Deshalb ist es wichtig, beim Outdoor-Sport an den Zeckenschutz zu denken. Denn Zecken sind bei Aktivitäten in der Natur nicht nur lästig, sondern können gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Einer Erkrankung mit dem Erreger können Freiluft-Sportler vorbeugen, indem sie sich gegen FSME impfen lassen. 

Auch beim Radfahren lauern Zecken an Büschen und Gräsern. Dabei können Zecken leicht abgestreift werden. (Foto: Andrè Hirtz / Pfizer)

Zecken lauern im Gestrüpp, Büschen, Gras und im Unterholz - und zwar in einer Höhe von 80 bis 150 Zentimeter.1 Eine ideale Höhe, um sich blitzschnell und unbemerkt an vorbeikommenden Wanderern, Läufern, Radfahrern oder Reitern festzuhaken. Die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfehlen, bei einem Aufenthalt in der Natur geschlossene Kleidung zu tragen.2 Lange und eng anliegende Kleidung ist ebenso sinnvoll wie helle Farben, auf denen Zecken besser zu erkennen sind. Die Hosenbeine in die Socken zu stecken ist nicht besonders kleidsam, aber ebenfalls ratsam. Kurzfristig können Zecken-Abwehrmittel die lästigen Blutsauger vom Leibe halten, einen Schutz vor FSME bieten diese aber nicht.

145 FSME-Risikogebiete in Deutschland

Die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland ist laut dem Robert Koch-Institut (RKI) auf 145 gestiegen.3 In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Sachsen.3 2014 wurden in Deutschland 265 FSME Fälle gemeldet, die meisten davon in Bayern (123) und Baden-Württemberg (95).4 Gerade in Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen - FSME-Risikogebiete mit hohen Fallzahlen - gibt es viele Wandergebiete und Ausflugsmöglichkeiten für Outdoor-Fans. Hier treffen Zecke und Mensch unweigerlich aufeinander.

Die Infektionskrankheit FSME ist nicht ursächlich behandelbar, kann schwere gesundheitliche Folgen haben und sogar lebensgefährlich sein. Borreliose hingegen kann mit Antibiotika therapiert werden.  FSME kann in zwei Phasen verlaufen. Die erste ähnelt einer leichten Sommergrippe mit erhöhter Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen. Für manche Betroffene ist die Krankheit danach überstanden. Bei einem Teil der Patienten schließt sich eine zweite, gefährliche Krankheitsphase an. Hierbei kommt es zur Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung. 50 Prozent der schwer an FSME erkrankten Patienten leiden unter dauerhaften Folgeschäden wie Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen oder Atemschwäche.2,5,6

Schnellimmunisierung gegen FSME innerhalb weniger Wochen möglich

Wer viel in der freien Natur unterwegs ist, sollte sich gegen FSME impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind. Entweder, weil sie dort leben oder sich kurzfristig aufhalten, zum Beispiel im Urlaub. Außerdem empfiehlt die STIKO die Impfung bei Aufenthalten in Risikogebieten außerhalb Deutschlands. Personen, die in Risikogebieten wohnen oder Aufenthalte und Reisen in FSME-Gebiete in Deutschland planen, haben bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf Kostenerstattung der FSME-Impfung.7

Die meisten deutschen Krankenkassen übernehmen zudem auch die Kosten für die Impfung bei Reisen in ausländische FSME-Risikogebiete. Denn auch bei Freiluft-Aktivitäten im Ausland sollte der Zeckenschutz nicht vergessen werden. Wenn kurzfristig ein Aufenthalt in FSME-Risikogebieten ansteht oder ein Schutz noch in den Sommermonaten erreicht werden soll, besteht die Möglichkeit einer so genannten Schnellimmunisierung. Ein saisonaler Impfschutz lässt sich je nach Impfstoff mit zwei oder drei Impfungen innerhalb weniger Wochen aufbauen. Die Impfberatung und die FSME-Impfung erfolgt beim Hausarzt.

 

Literaturverzeichnis

1) RKI-Ratgeber für Ärzte (2011): Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

2) Leitlinie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), S1, Stand: September 2012, AWMF-Registernummer: 030/035.

3) Epidemiologisches Bulletin: FSME: Risikogebiete in Deutschland, 26. Mai 2015 / Nr. 21, Robert Koch-Institut.

4) SurvStat@RKI: FSME-Fälle Deutschland, Bayern, Baden-Württemberg; Stand: 26.06.2015.

5) Kaiser R, Vollmer H, Schmidtke K et al. Verlauf und Prognose der FSME. Nervenarzt 1997; 68: 324–330.

6) R. Kaiser (2011) „Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME,“ Der Nervenarzt.

7) Epidemiologisches Bulletin: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, 25. August 2014 / Nr. 34.