Tough Mudder: von Schlamm und Zecken

Platsch. Der mit Schlamm verdreckte Sportschuh kommt krachend neben mir auf. In der nächsten Sekunde ist er bereits weg, dafür kommt der nächste Schuh angerauscht. Und so geht es immer weiter, während die Luft von Anfeuerungsrufen durchzogen ist. Aber ich will mich nicht beklagen. Immerhin sind Läufe wie der Tough Mudder für mich eine gute Gelegenheit, den kleinen Hunger zu stillen.

Aufgepasst: Kurze Hosen bieten der Zecke eine gute Möglichkeit, unbemerkt bei ihren Opfern anzudocken! Nach jedem Lauf in der Natur sollte deshalb der Körper gründlich abgesucht werden.

Aber zunächst möchte ich mich vorstellen. Gestatten: Zecke. Viele kennen mich hauptsächlich wegen meines unvorteilhaften Rufes. Die Zecke gilt als Parasit, der es auf das Blut von Mensch und Tier abgesehen hat. Beim Tough Mudder bin ich als Zecke mit meinen Hungergelüsten genau richtig. Der Extrem-Hindernislauf, bei dem die Teilnehmer einen bis zu 18 Kilometer langen Parcours durch den Schlamm absolvieren, zieht jährlich tausende Teilnehmer in seinen Bann.

Kältebeständige Zecke

Ein Großteil der Läufer hat mittlerweile die Schlammgrube durchquert. Wenige hundert Meter weiter steht die nächste Hürde an. Hier müssen die Athleten ein Eiswasserbecken durchqueren. Ich selbst bin schon lange nicht mehr dabei: Zecken sind nicht gerade die geborenen Langstreckenläufer. Im Gegenteil: Möglichst wenig Bewegung ist unser Ding. Dafür aber sind wir von der Anzahl her viele. Weltweit gibt es Millionen von uns. Entsprechend bleibt auch der Sprung ins kühle Nass von uns nicht unbeobachtet. Was einen Großteil der Läufer sichtlich Überwindung kostet, ist für eine Zecke kein Problem. Sie kann mehrere Stunden lang unter Wasser überleben. Und auch mit Kälte können wir ganz gut umgehen: Obwohl wir Zecken erst ab sieben Grad aktiv werden, können wir mitunter sogar den Gang ins Gefrierfach überleben. Wenn es um Beharrlichkeit geht, macht uns so schnell also keiner etwas vor.

Von Schlamm und neuen „besten Freunden“

Aber auch nach dem Eiswasser sind die Läufer noch nicht am Ziel. Immer weiter geht es; durch Matsch und Schlamm, über mehrere Meter hohe Holzwälle und kratzige Strohballen bis hin zur Durchquerung eines Sees. Für mich ist das in erster Linie amüsant, aber nicht zielführend. Denn Schlamm und Co. gehören nicht zu meinen bevorzugten Jagdterritorien. Wenn die Läufer aber die Abschnitte zwischen den Hindernissen durchqueren, wird es für mich spannend. Oftmals heißt das für sie, dichten Wald zu passieren. Hier fühlt sich unsereins zu Hause. Geduldig warte ich in Büschen, Unterholz oder auf Grashalmen auf meine potenziellen Opfer. Ist dies der Fall, müssen wir nichts weiter machen, als uns abstreifen zu lassen, um so an unserem neuen „besten Freund“ anzudocken.

Nur einmal stechen …

Erst mal mit dem Läufer auf Tuchfühlung geht es schnell. Ein Stich genügt, damit wir an das Blut unseres Opfers kommen. Dass die meisten Läufer beim Tough Mudder auf kurze Hosen setzen, erleichtert uns den Zugang zu der begehrten Mahlzeit. Von dem Stich bekommen die Läufer dabei dank Betäubung nichts mit. Das gilt im ersten Moment auch für unsere unerwünschten Mitbringsel. Zecken können mehr als 50 verschiedene Krankheitserreger in sich tragen, die sie durch ihren Stich übertragen. Dazu zählt auch das FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Virus. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems, die zu dauerhaften Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen oder Atemschwäche führen kann. Das weiß auch Michael Wohlfart. Der Extremsportler hat schon über zehn Tough-Mudder-Läufe absolviert – und kennt sich dabei nicht nur mit den Strecken aus. „Beim Tough Mudder geht’s ums Ganze. Da bleibt ein kleiner Zeckenstich absolut unbemerkt“, so der Sportler.

Vorsorge als Spielverderber

Und dennoch: Ganz so einfach ist es am Ende des Tages für uns doch nicht, wenn es um die Jagd geht. Denn mit nur wenigen Maßnahmen kann es uns der Mensch ganz schön schwer machen. Das Tragen heller Kleidung hilft, uns schnell zu entdecken und schnellstmöglich zu entfernen. Geschlossene Kleidung macht uns das Andocken schwer, während wir vor Menschen, die sich mit Repellents einsprühen eher Abstand nehmen. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen kann zudem eine Impfung helfen, den Schutz vor FSME zu erhöhen. Auch Michael Wohlfahrt setzt auf die Impfung. „Ich lebe sehr bewusst, trainiere hart und ernähre mich gesund. Das möchte ich nicht durch einen Zeckenstich gefährden. Deshalb gehe ich kein Risiko ein und habe mich gegen FSME impfen lassen.“ Rosige Aussichten sehen also anders aus – und so bleibt meine Rolle beim Tough Mudder doch eher auf das Zusehen beschränkt. Wer mehr über Michael Wohlfahrt und seine Leidenschaft erfahren möchte:

Mehr über Michael Wohlfahrt und seine Leidenschaft erfahren Sie unter www.leidenschaftnatur.de.