Ein Pokémon-Jäger hat’s nicht leicht: von Zecken und Taschenmonstern

Der Pokémon-Go-Wahn ist ausgebrochen – und ich bin mittendrin! Aber Vorsicht: Zecken stehen auf Pokémon-Jäger. Ein Selbstversuch.

Ein Pokémon der etwas anderen Art – und dieses möchte man (sich) bestimmt nicht (ein)fangen! Zecken haben über 50 verschiedene Krankheitserreger im Gepäck. Neben dem Tragen geschlossener Kleidung, dem Einsprühen mit Repellents oder dem gründlichen Absuchen nach einem Ausflug in die Natur kann auch eine FSME-Impfung helfen, das Risiko einer FSME-Virusinfektion nach einem Zeckenstich zu verringern.

Wo bin ich? Und warum ist es hier so grün? Diese Frage ist schnell beantwortet. Pokémon Go ist schuld. Die App, bei der die Nutzer durch die Gegend streifen, um via Handy digitale Taschenmonster zu fangen, ist ein fester Bestandteil meines Alltags geworden. Heute ist ein besonderer Tag: Ein Bisaflor (darunter kann man sich ein Waran-ähnliches Wesen mit einer Art Blumentopf auf dem Kopf vorstellen) ist in meiner Umgebung aufgetaucht. Dieses Pflanzenpokémon fehlt meiner Sammlung. Noch (wichtig, wichtig!) den Handyakku aufladen und los geht’s. Eine Stunde stehe ich dann im Wald – und damit im Hoheitsgebiet von kleinen Monstern der etwas anderen Art: den Zecken.

Zecken und Pokémon

Pokémon und Zecken sind sich nicht unähnlich. Wie die Taschenmonster haben Zecken auch ihre bevorzugten Territorien, in denen sie anzutreffen sind. Das sind vor allem Wälder und Wiesen, denn im Gras, im Gebüsch oder im Unterholz halten sich die Parasiten am liebsten auf.

Bei der Größe hingegen haben die Pokémons die Nase vorne. So sind die kleinsten Pokémon zehn Zentimeter groß, während Zecken nur auf zwei bis drei Millimeter kommen. Für den Parasiten ist genau das von Vorteil, denn durch die geringe Größe ist er umso schwerer auffindbar.

Von unachtsamen Fußgängern …

Unterdessen geht meine Jagd weiter. Immer tiefer geht es auf den Wegen in den Wald, den Blick stets auf das Handy und die Akkuanzeige gerichtet. Noch 60 Prozent Restlaufzeit (oha!) und noch kein Bisaflor entdeckt. Mein starrer Blick auf das Handy lässt mich meine Umwelt vergessen. Dem entgegenkommenden Radfahrer kann ich nur mit Mühe ausweichen. Wieder einmal wird mir das Für und Wider von Pokémon Go bewusst. Denn auch wenn die App mich regelmäßig zu neuen Erkundungsreisen in die Natur ermutigt, so verleitet sie den Nutzer auch immer wieder zu Unachtsamkeiten, die mitunter fatal enden können.

… und folgenschweren Stichen

Solche Unachtsamkeiten können schwere Folgen haben – sei es in Form eines Unfalls oder sei es, dass man sich durch Unachtsamkeit einen Zeckenstich zuzieht oder nicht entdeckt. Bereits ein Stich genügt, um den Menschen mit gefährlichen Krankheitserregern zu infizieren. Dazu zählen neben Borreliose-Bakterien auch FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Viren. „Das FSME-Virus greift die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen an. Typische anfängliche FSME-Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Sommergrippe“, erklärt Zeckenexperte Prof. (a. D.) Dr. Jochen Süss. „Bei einem Teil der Infizierten befällt das FSME-Virus zudem das zentrale Nervensystem. Die mildeste Form der FSME ist eine Hirnhautentzündung, während eine schwere Form sogar zu einer Gehirn- oder Rückenmarkentzündung führen kann“, so der Experte weiter.

Vorsorge für Pokémon-Trainer und Co.

Bei mir setzt derweil Panik ein. Nur noch 30 Prozent Akkulaufzeit (gleich vorbei!) und weiterhin kein Bisaflor in Sicht – und wo ich mich genau aufhalte, weiß ich nicht. Enttäuscht trete ich schweren Herzens den Heimweg an – und bin beim Stapfen durch das Dickicht heilfroh, die richtige Kleidung anzuhaben. Denn bereits durch bloßes Abstreifen kommen Zecken mit ihren Opfern in Berührung. Ihr Stich bleibt dabei unbemerkt. Grund hierfür ist ein Betäubungsmittel, das die Zecke während des Stechens absondert. Um sich vor den Parasiten bestmöglich zu schützen gibt es dabei gleich mehrere Vorsorgemaßnahmen, angefangen beim Tragen langer Kleidung über das Einsprühen mit Repellents bis hin zum gründlichen Absuchen des Körpers nach dem Ausflug in die Natur. Daneben kann auch eine FSME-Impfung bei der Vorsorge helfen.

Ein Pokémon-Jäger hat’s nicht leicht.

10 Prozent Akkulaufzeit und ich bin endlich daheim angekommen. Meine Stimmung ist angesichts der fehlgeschlagenen Jagd deutlich gedrückt. Ein letzter Blick auf das Handy für heute – und siehe da: Ein weiteres, bislang noch nicht gefangenes Pokémon wird angezeigt. Das heißt: neuer Tag, neues Glück, neuer Ausflug.