Herbstzeit – wenn Pilze sprießen und Zecken krabbeln

Das feuchtwarme Klima im Herbst lässt nicht nur Pilze besonders gut wachsen, auch Zecken nutzen das Wetter vermehrt zur Nahrungssuche.

Genauso wie Zecken bevorzugen auch Pilze die feuchtwarmen Verstecke in Bodenlage. Pilzesammler sollten daher Vorsorge betreiben, um nicht selbst zur Mahlzeit für eine Zecke zu werden.

Dass sich Zecken allgemein keiner hohen Beliebtheit erfreuen, mag an den Krankheitserregern liegen, mit denen die Blutsauger infiziert sein können. Für den Pilzsachverständigen Wolfgang Bachmeier gehören die kleinen Tierchen jedoch zum Alltag. Neben 6.000 verschiedenen Pilzsorten kennt er die Tricks, mit denen sich Pilz- und Naturliebhaber vor Zecken schützen können. Der Irrglaube, Zecken würden im Wald auf Ästen lauern, ist längst überholt. Tatsächlich lauern Zecken im Gras und mögen keine Höhen über 1,50 Meter. Genauso wie Zecken bevorzugen auch Pilze die feuchtwarmen Verstecke in Bodenlage. Eine Begegnung zwischen den Parasiten und Pilzliebhabern ist somit zwangsläufig vorprogrammiert. Kein Wunder also, dass Wolfgang Bachmeier in seiner langjährigen Laufbahn als Pilzsachverständiger – trotz eigener Schutzvorkehrungen – bereits geschätzte 500 Mal von den Spinnentierchen gestochen wurde.

Gefährliche Wegbegleiter in der Natur

Die Faszination für die Artenvielfalt der Pilze entwickelte der 54-Jährige schon sehr früh. Mittlerweile treibt es den Pilzliebhaber in der Pilzsaison fünf bis sechs Tage pro Woche in die Natur. Ob querfeldein oder auf bekannten Wanderrouten, der geprüfte Pilzsachverständige weiß, wo er die Gaumenfreuden des Waldes findet. Anders als Wolfgang Bachmeier müssen Zecken weder ein Seminar noch eine Prüfung absolvieren, um die Qualität ihrer Beute beurteilen zu können. Dabei ist der Zeckenstich selbst das kleinste Übel. Bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger können die Krabbeltiere während des Stechens an ihre Opfer übertragen. Neben einer Erkrankung an Borreliose-Bakterien ist vor allem die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, die virale Infektion der Hirnhaut sowie des zentralen Nervensystems, eines der schwerwiegendsten und gefährlichsten Risiken, die ein Zeckenstich mit sich bringen kann. Während Borreliose mit Antibiotika therapiert werden kann, ist FSME nicht ursächlich behandelbar und kann sogar lebensgefährlich sein.

Mit der richtigen Vorsorge die Herbstzeit genießen

Bereits ab Temperaturen über sieben Grad sind Zecken aktiv, was sie auch in der Herbstzeit zu einer Gefahr für Naturfreunde und Pilzliebhaber macht. Denn Zecken können beim Stechen bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter auch das FSME-Virus. Um den Spinnentieren die Suche nach einem Stück freier Haut zu erschweren, rät Wolfgang Bachmeier seinen Seminarteilnehmern stets lange und bevorzugt helle Kleidung sowie Gummistiefel während eines Spaziergangs durch die Natur. Zu Hause angekommen, können die schwarzen Parasiten beim Absuchen rechtzeitig entfernt und ein Stich verhindert werden. Einen vollkommenen Schutz vor Zecken gibt es jedoch nicht. Er selbst hat sich zusätzlich gegen FSME impfen lassen und weist Naturfreunde immer wieder auf die Dringlichkeit dieser Vorsorgemaßnahme hin. Zecken werden aktiv, sobald es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 7 Grad Celsius warm oder wärmer ist. In Deutschland reicht die Zeckensaison deshalb in der Regel von Februar bis Oktober. Der Beginn oder das Ende der Saison können sich bei entsprechenden Temperaturen aber auch verschieben. Der Impfschutz sollte daher bestenfalls das gesamte Jahr über bestehen. Mit dem Aufbau des Impfschutzes kann jederzeit begonnen werden. Für einen mehrjährigen Impfschutz werden drei Impfungen in einem fest gelegten Zeitraum über mehrere Monate benötigt. Danach erfolgt eine regelmäßige Auffrischung. Steht die Zeckensaison unmittelbar bevor, kann auch kurzfristig ein Impfschutz für die aktuelle Saison aufgebaut werden. Wer gerne und oft in die Natur geht, sollte sich der gefährlichen Krabbeltiere bewusst sein und frühzeitig entsprechende Vorsorgemaßnahmen ergreifen und sich von seinem Arzt dazu beraten lassen. Nur so kann die Freude über einen reich gefüllten Korb nach dem Pilzesammeln langfristig anhalten.