Der Ball rollt wieder: von Fußball, Phrasen und Zecken

Im August startet die Bundesliga. Damit verbunden ist heiteres Mitfiebern und munteres Phrasendreschen. Auch bei Zecken gibt es einige Weisheiten, die man immer wieder hört. Aber sind diese genauso wahr wie im Fußball? Wir machen den Check und es zeigt sich: Auch auf dem Fußballplatz ist Vorsicht vor den Spinnentieren geboten.

Obacht beim Kicken! Dass Zecken nur Bauern, Jäger und Forstarbeiter im Visier haben, ist ein Irrglaube. Auch auf dem Fußballplatz ist der Parasit zu finden, weshalb man entsprechend vorsorgen sollte.

Der Ball ist rund und Zecken fallen von den Bäumen

Ganz klar: Eine eckige Pille gibt es nicht. Obwohl der Fußball aus mehreren Fünf- und Sechsecken besteht, ist das Spielgerät letztlich rund – anders wäre das Schlagen zielgenauer Pässe und Flanken nur schwer möglich.

Wie sieht es bei den Zecken aus? Die Spinnentiere fallen grundsätzlich nicht von Bäumen. Zecken bewahren stets Bodenhaftung. Um ihre Beute zu erreichen, klettern sie unter anderem auf Sträucher und Grashalme. Von diesen lassen sich Zecken dann unbemerkt abstreifen – ein spektakulärer Sprung von einem Baum ist von den Parasiten daher nicht zu erwarten.

Ein Spiel dauert 90 Minuten und nur Bauern, Jäger und Forstarbeiter sind das Opfer von Zecken

Auch im Fußball stimmt nicht jede Weisheit. Obwohl 90 Minuten als reguläre Spielzeit für eine Fußballpartie angesetzt werden, dauert die tatsächliche Spielzeit durch Verletzungsunterbrechungen, Jubel-Arien und Auswechslungen etwas länger. In der Saison 2013/2014 lag der Schnitt pro Spiel beispielsweise bei 93 Minuten.

Nicht minder falsch ist die Aussage zum Beuteschema von Zecken. So sind die Spinnentiere alles andere als wählerisch. Auf ihrem Speiseplan stehen grundsätzlich alle Menschen, die sich in der Natur aufhalten, und auch Tiere – immer vorausgesetzt, dass sich diese in dem bevorzugten Jagdterritorium der Zecken aufhalten. Dazu zählen in erster Linie Büsche, Wiesen und Gräser. Dadurch sind Zecken mitunter auch auf dem Fußballplatz anzutreffen.

Das Runde muss ins Eckige und die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) werden nur im Frühsommer übertragen

Klare Sache. Der Ball ist rund, das Tor ist eckig und wenn alles gut läuft, sollte er dort auch mehrmals pro Partie versenkt werden – idealerweise immer im Gehäuse des Gegners, sonst erreicht die anfängliche Fußballeuphorie rasch den Nullpunkt.

Wenn es aber um die Übertragung des FSME-Virus geht, liegt erneut ein Irrglaube vor. Denn: FSME ist eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems, die zu dauerhaften Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen oder Atemschwäche führen kann. Das Virus kann so gut wie immer von durchseuchten Zecken übertragen werden. Voraussetzung ist, dass die Außentemperatur sieben Grad oder mehr beträgt, denn erst dann werden Zecken aktiv. Das FSME-Virus ist dabei nur einer von über 50 Krankheitserregern, die Zecken übertragen können.

Trikottausch ist verboten und die richtige Kleidung schützt zu 100 Prozent vor Zecken

Tatsächlich wurde der Trikottausch 1998 zeitweise von der FIFA aus Gründen einer vermeintlichen Anstößigkeit verboten. Da der dahintersteckende Fair-Play-Gedanke und die medienwirksame Geste letztlich doch überwogen haben, wurde das Verbot jedoch schnell wieder aufgehoben.

Bei dem Schutz vor Zecken durch Kleidung sieht die Sache anders aus. Richtig ist, dass das Tragen geschlossener und heller Kleidung helfen kann, dem Störenfried das Andocken zu erschweren und ihn auch rechtzeitig zu erkennen. Auch das Einsprühen mit Repellents und das gründliche Absuchen der Haut direkt nach dem Ausflug können helfen, die Spinnentiere weiter auf Fastenkurs zu halten. Eine 100-prozentige Schutzgarantie vor Zecken ergibt sich dadurch aber nicht. Neben den genannten Vorbeugemaßnahmen kann daher auch eine Impfung davor schützen, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken. „Für den saisonalen Schutz sind, je nach Impfstoff und Schema, zwei oder drei Impfungen innerhalb weniger Wochen erforderlich – hier kann der Arzt beraten“, erklärt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, Medizinischer Direktor des BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. „Und mit der richtigen Vorsorge steht dem Mitfiebern auf dem Fußballplatz dann auch nichts mehr im Weg.“ Und nun heißt es: Anpfiff!