Zecken als Grenzgänger. Was Sie bei der Urlaubsplanung beachten müssen.

Infektionsrisiko durch Zeckenstiche besteht fast überall – sowohl in Deutschland als auch in Europa

Berlin, 30. Mai 2016. Die Sommerferien stehen vor der Tür und viele zieht es in die Natur. Beliebt bei Outdoor-Fans sind klassische Urlaubsländer wie Schweden, Norwegen, die Schweiz oder Österreich. Im Trend liegen auch die baltischen Staaten und Tschechien oder Slowenien. In all diesen Ländern ist Vorsicht geboten: Genau wie in Deutschland auch gibt es hier sogenannte FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Risikogebiete. Es handelt sich dabei um Regionen, in denen die Gefahr, sich mit FSME-Viren zu infizieren, besonders hoch ist. Das Virus kann bei einem Zeckenstich übertragen werden. Wer also im Sommer viel draußen ist und eine Reise in eines der Endemiegebiete plant, für den wird es jetzt höchste Zeit, an die Vorsorge und den richtigen Zeckenschutz zu denken.

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Das Robert Koch-Institut führt genau Buch über die FSME-Erkrankungen in Deutschland: Laut aktuellem Bericht vom Mai 2016 registrierte das Berliner Bundesinstitut für das Jahr 2015 insgesamt 220 FSME-Fälle. Davon hatten zwölf Patienten die Infektion aus dem Ausland importiert. Die Infektionsorte lagen allesamt in beliebten Urlaubsländern: in Österreich, Schweden, Italien und in der Schweiz. Nach Informationen des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) reicht das Verbreitungsgebiet FSME-Virus- infizierter Zecken von Skandinavien über die baltischen Länder, Zentral- und Osteuropa, den Balkan bis nach Südeuropa.

Risikoregion Südhessen

Selbst wer nicht in die Ferne schweifen möchte, sollte vor Zecken auf der Hut sein: Neben Bayern und Baden-Württemberg gehört unter anderem Südhessen zu den Gebieten mit dem höchsten Risiko für eine FSME-Virusinfektion, die im ungünstigsten Fall zu einer Entzündung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems mit oft schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Insgesamt neun Kreise sind in Hessen betroffen.

„Zu Hause, im Beruf oder auf Reisen – Zecken können quasi hinter jedem Busch lauern. Sie lieben es feucht und warm. Ideale Bedingungen finden sie in der Natur auf Grashalmen, in Büschen und im Unterholz. Hier werden sie im Vorübergehen abgestreift“, erklärt Privatdozent Dr. med. Gerhard Dobler, Leiter der Abteilung für Virologie und Rickettsiologie am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr München. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim zeigt, dass sich Zecken nicht mehr nur in Wäldern, sondern zunehmend in städtischen Gärten und Parks zu Hause fühlen. Eingeschleppt werden sie durch Haus-, Wild- oder Nagetiere. So befinden sich in Hessen die Infektionsorte einzelner FSME-Fälle nicht mehr nur auf dem Land und in den Risikoregionen, sondern auch in den Kreisregionen Frankfurt am Main und Wiesbaden. Dass die Zecken auf dem Vormarsch sind, sei laut Dobler umso bedenklicher, da die FSME-Impfquote bei Schulanfängern laut Robert Koch- Institut im vergangenen Jahr in Hessen mit knapp 20 Prozent deutlich niedriger lag als in Bayern mit rund 33 Prozent.

Zur Urlaubplanung gehört auch Vorsorge

Zecken können beim Blutsaugen bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen, allen voran das FSME-Virus und Borrelien. Eine umfassende Vorsorge bei Reisen, die in europäische Länder mit Endemiegebieten führen, ist daher unbedingt notwendig. Ins Gepäck gehören lange Kleidung, die möglichst viel vom Körper bedeckt, und feste Schuhe. Auch sollten die Socken über die Hose gezogen werden, um es den Zecken schwerer zu machen, an den Beinen hochzukrabbeln.

„Wer sich zusätzlich schützen möchte, kann auf Kleidung und Haut spezielle insektenabweisende Mittel, sogenannte Repellentien, auftragen. Dass sich die Zecke auf den Körper setzt oder gar sticht, bleibt in der Hälfte der Fälle unbemerkt. Daher ist es wichtig, den Körper nach dem Aufenthalt in der freien Natur nach Zecken abzusuchen. Wer eine Zecke entdeckt, sollte diese vorsichtig mit einer Pinzette oder speziellen Zeckenkarte entfernen“, erläutert der Infektiologe Prof. Dr. Markus Rose, Kinder- und Jugendarzt an der Goethe- Universität Frankfurt am Main. Ein weiterer wichtiger Baustein zur Vorsorge sei neben den aufgezählten Maßnahmen die FSME-Impfung.

In Deutschland reicht die Zeckensaison meistens von Februar bis Oktober, sodass der ideale Zeitpunkt für den Beginn der Grundimmunisierung im Winter liegt. Möglich ist aber auch eine Schnellimmunisierung innerhalb weniger Wochen. Rose erklärt: „Für diejenigen, die im Winter nicht an die Impfung gedacht haben, kommt eine Schnellimmunisierung in Frage. Diese kann, rechtzeitig durchgeführt, Impfschutz für die aktuelle Saison und somit den anstehenden Urlaub bieten.“

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